Als Heilige Lanze wird der Speer bezeichnet, mit dem die Römer Jesus, als er am Kreuz hing, in die Seite stießen. Sie wollten so überprüfen, ob Jesus bereits tot war. Aus seiner Seite sollen Blut und Wasser geflossen sein und ja, Jesus war bereits gestorben. Der römische Legionär, der Jesus stieß, hieß Mauritius. Mauritius soll die Lanze ein Leben lang mit sich geführt haben, bis sie ihm eines Tages bei einem Überfall gestohlen wurde. Seitdem ist die Lanze verschollen und es ist nicht sicher, ob sie überhaupt die Zeiten überstanden hat und heute noch existiert. Heute gibt es vier Institutionen, die behaupten, sie hätten die Lanze in ihrem Besitz. Echte Beweise aber existieren nicht.
Die Heilige Lanze spielte im ersten Kreuzzug im Jahre 1098 eine besondere Rolle. Die Kreuzfahrer hatten die Stadt Antiochia erobert, allerdings wurden sie von einem moslemischen Heer belagert. Dieses Heer war dem Kreuzfahrerheer zahlenmäßig überlegen und alles sah danach aus, als könnten die Kreuzfahrer die bevorstehende Schlacht nicht gewinnen.
Tatsächlich passierte es, dass ein Bauer behauptete, er habe im Traum von Gott offenbart bekommen, wo sich die Heilige Lanze befinden würde. Sie gingen an eine Stelle und gruben im Boden. Tatsächlich fanden sie eine Lanze, so sah es aus, als hätte der Bauer eine wirkliche und wahrheitsgemäße Begebenheit erfahren.
Die Kreuzfahrer sahen den Speer in der Hand des Gräbers, der sie hoch erhoben in die Luft hielt. Sie jubelten laut und glaubten nun die Heilige Lanze befände sich wirklich in ihrem Besitz. Es ist oft so, dass wenn man Reliquien besitz, diesen heilige bzw. magische Kräfte zuspricht. Man geht eigentlich davon aus, wenn man Gegenstände besitzt, die mal mit Jesu in Kontakt standen, dass dadurch göttliche Kräfte für den Besitzer arbeiten. Gott ist allmächtig und im Besitz solcher Gegenstände glaubt man, dass die allmächtigen Kräfte Gottes nun für die Reliquien-Besitzer wirken.
Genau dies glaubten auch die Kreuzfahrer. Sie glaubten und waren überzeugt, dass sie mit der Heiligen Lanze die bevorstehende Schlacht nicht verlieren könnten, auch wenn die Umstände düster aussahen und das zahlenmäßige Heer der Muslime übermächtig erschien.
Sie gingen voll motiviert in die Schlacht hinein und sie siegten!
Um den psychologischen Effekt zu erklären möchte ich auf einen Spielfilm hinweisen. Es ist ein Dieter Hallervorden Spielfilm. In diesem Spielfilm spielt Dieter Hallervorden „Didi“, der nur mäßig erfolgreich durch sein Leben geht. Eines Tages kommt er in den Besitz einer kleine Flasche aus Kunststoff und ihm wird von irgendjemanden gesagt, dass sich ein Gas in der Flasche befindet, die ihm Superkräfte verleihen würden. Und wirklich „Didi“ ist überzeugt davon und glaubt fest daran. Wohl gemerkt er glaubt daran! Fortan gelingt es ihm jede noch so unmögliche Herausforderung und Schwierigkeit in seinem Leben zu meistern und er gewinnt jede „Schlacht“, die ihm begegnet. Er ist plötzlich so erfolgreich wie man nur sein kann. Alles, was er anfasst, wird zu Gold.
Eines Tages aber, als ihm wieder eine schwer zu lösende Schwierigkeit in seinem Leben auftut, ist seine Flasche mit seinem „Zaubertrank“ verschwunden. „Didi“ ist verzweifelt und weiß nicht, was er tun soll. Er glaubt so könne er seine Aufgabe nicht bewältigen und er müsse scheitern. Aber es ist noch jemand anderes da. Dieser jenige weiß über all dies Bescheid und er spricht zu „Didi“. Er sagt ihm, dass in der Flasche nie etwas anderes gewesen ist als normale Luft, im Grunde genommen war die kleine Flasche leer und „Didi“ hat an nie etwas anderem gerochen, als er sowieso einatmet, nämlich die Luft überall um ihn herum. Ihm wird gesagt, dass die Kräfte, die er mobilisiert hat, schon immer in ihm selbst vorhanden gewesen sind und „Didi“ nichts anderes braucht als seine ganz natürlichen Kräfte. Von außen kamen nie Superkräfte, aber „Didi“ selbst besitze diese Kräfte.
An dieser Stelle kann man erkennen, wozu der Glaube fähig ist. Ob man nun glaubt, man besitze Superkräfte oder magische Kräfte, die von Gott oder Jesus kommen, es liegt am Glauben, den man hat. Wenn man sich für stark und mächtig hält und es wirklich ohne Zweifel glaubt, kann man stark und mächtig sein.
Den Kreuzfahrern im Jahre 1098 gelang das schier unmögliche, weil sie den entsprechenden Glauben hatte.
Es sind die eigenen Gedanken die den Unterschied über Sieg oder Niederlage ausmachen.
Markus Geers
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