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Die Sütterlinschrift - eine altdeutsche Schrift und die Kust der Übersetzung

Von: Stefan Presser
Eintragsdatum : 6.8.2011 Ansichten : 455
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Die Bezeichnung “deutsche Schrift” ist ein Sammelbegriff, der deutsche Schriften, die zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert geschrieben bzw. gedruckt wurden umfasst.

Zu den wichtigen Druckschriften gehören die Schwabacher Schrift, die im 15. und frühen 16. Jahrhundert vorherrschte und die Frakturschrift, die von Mitte des 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum benutzt wurde. Diesen standen Schreibschriften gegenüber: Die deutsche Kanzleischrift, die bis ins 19. Jahrhundert im amtlichen Gebrauch vorherrschte; die deutsche Kurrentschrift, die als Verkehrsschrift vom 18. bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurde und die Sütterlinschrift, die man in den Zwanzigern und Dreißigern als Schreibschrift in der Schule lernte. Dazu addieren sich die Deutsche Volksschrift, die man von 1935 bis 1941 bevorzugte und die so genannte Offenbacher Schrift, die nach 1945 zumindest an einigen deutschen Schulen gelehrt wurde. Heute brauchen wir dafür häufig einen Fachmann, der für altdeutsche Schrift Übersetzer ist.

Die Sütterlinschrift wurde 1915 eingeführt um die damals gebräuchlichen verschiedenen Schriftarten zu vereinheitlichen und war bis 1941 Schulschrift. 1941 wurde sie verboten, und erst nach dem zweiten Weltkrieg vereinzelt wider unterrichtet bis ca. Mitte der 50er Jahre.

Heute gibt es nur noch eine aussterbende Minderheit, die die Sütterlinschrift noch beherrscht. Früher schrieb man wie selbstverständlich in Sütterlinschrift. Heute empfinden wir sie insbesondere in handschriftlichen Varianten als unleserlich. Sie wurde meist mit der Feder geschrieben. Wurden die Buchstaben in dieser Schriftart geschrieben, sehen wir uns oft außer Stande, solche Schriftstücke zu lesen. Briefe unserer Großeltern, alte Vereinsverzeichnisse, historische Tagebücher, Wirtschaftsdokumente und Feldpostbriefe aus den beiden Weltkriegen gehen mitsamt ihrem Inhalt verloren, wenn niemand die deutsche Schrift übersetzen kann. Manchmal ist es ein Dachbodenfund, bei dem plötzlich unbekannte Dokumente oder Briefe auftauchen, die in altdeutscher Schrift verfasst sind und die den Hauch des Historischen tragen; in Museen werden zahlreiche Nachlässe von Forschern, Tagebücher von Expeditionen und dergleichen aufbewahrt, die man erst von altdeutsch nach deutsch übersetzen lassen muss, um sie auszuwerten und der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Wieso aber muss man eine deutsche Schrift übersetzen lassen? Ist es nicht absurd, dass Handschriften, die in der eigenen Sprache verfasst wurden, dem Leser nicht mehr verständlich sein sollten? Gerade an der Sütterlinschrift wird deutlich, dass es sich beim Lesen und Verstehen handschriftlicher Dokumente tatsächlich um ein Übersetzen handelt, nicht um ein Entziffern. Denn die Sütterlinschrift enthält zahlreiche Buchstabenkombinationen und Besonderheiten, die nur im Kontext verständlich sind, der ohne Sachkenntnis kaum nachvollziehbar wird.

Doch zum Übersetzen gehört weitaus mehr Handwerk als allein die Kenntnis der Buchstaben und der Transkriptionsregeln. Darüber hinaus müssen altdeutsche Übersetzer auch über fundierte historische und geografische Kenntnisse verfügen; und auch Fremdsprachenkenntnisse sind von Vorteil, sofern die Dokumente aus Gegenden stammen, die wechselnden Länderhoheiten unterstellt waren. Zudem enthalten die Dokumente oft Hinweise, die dem unerfahrenen Leser kaum auffallen würden oder wenig vertraut sind; dies kann z. B. die Herkunft der Namen, der Schreibvarianten, die Berufsbezeichnungen, die Ortschaften und dergleichen mehr betreffen. Altdeutsche Übersetzer, die die deutsche Schrift übersetzen wollen, müssen sich also zugleich auch als Historiker und als Kenner historischer Landschaften und Orte erweisen.

Daher bedient man sich oft eines spezialisierten Übersetzungsdienstes, der sich mit solchen Schriften auskennt. Natürlich kann ein fachkundiger Übersetzer fast jede deutsche Schrift übersetzen. Jedoch die Anforderungen in diesem Feld kann man aber nur mit viel Schriftstudium erfüllen. Um für altdeutsche Schrift Übersetzer zu werden, benötigt man ein besonderes Interesse und Liebe für alte Schriften. Jedoch besteht eine konstante Nachfrage für altdeutsche Schrift Übersetzer, um historische Dokumente, amtliche Schriftstücke oder Aufzeichnungen von Expeditionsreisen auszuwerten. Diese in eine lesbare Form zu übersetzen und zugänglich zu machen, ist eine lohnenswerte Aufgabe. Aus einer “Übersetzung” alter Akten, Landkarten, Warenverzeichnisse und amtlicher Dokumente kann man viel über eine bestimmte Zeit herauslesen. Um eine deutsche Schrift übersetzen zu können, fertigt man eine wortgetreue Abschrift in die heute gebräuchliche lateinische Schriftart an. Zuweilen kann es sein, dass heute nicht mehr gebräuchliche Begriffe erläutert werden müssen. In alten Texten vor 1800 werden häufig regional gebräuchliche Begriffe verwendet, die wir für uns übertragen müssen. Alte Berufsbezeichnungen oder Maßeinheiten sind uns verloren gegangen oder wurden mit der Zeit verändert.



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